Einleitung
Das Ziel des EACH-Projekts ist es, kooperative pädagogische Ansätze und Praktiken zu fördern, die mithilfe digitaler Technologie als Werkzeug zum Forschen, Entdecken und Diskutieren die Entwicklung kritischen Denkens, des Umweltbewusstseins und der Sensibilität für Fragen des Klimawandels unterstützen.
Arbeitspaket Nr. 3 (WP3, „Unterwegs & Anregungen für künftige Reisende“) soll Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung die Werkzeuge, das praktische Wissen und die Kompetenzen vermitteln, die sie benötigen, um den in WP2 entwickelten methodischen und konzeptionellen Rahmen für pädagogisches Handeln wirksam umzusetzen. Die Erprobung der in WP2 entwickelten Leitlinien bildet den Kern von WP3.
Dieses Dokument fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus der Erprobung zusammen, die in drei Ländern (Italien, Polen und Portugal) in den Kindergartenjahren 2024/25 und 2025/26 stattfand.
In jedem Land nahmen verschiedene Kindergruppen – insgesamt 20 Gruppen – an einem Zyklus von jeweils zehn kooperativen und partizipativen Einheiten teil (insgesamt 200 Einheiten). Die pädagogischen Fachkräfte wurden dabei durchgehend von den wissenschaftlichen Partnern unterstützt.
Zusammenfassung
Überblick
Auf Grundlage der Beobachtungen während der Einheiten verdienen mehrere Aspekte besondere Aufmerksamkeit.
A
Im Hinblick auf kooperative und partizipative Ansätze:
- Das Engagement der Kinder wurde in hohem Maße durch ihre emotionale Beteiligung getragen. Dabei lösten insbesondere die folgenden Elemente Staunen und Überraschung aus:
- Digitale Technologien, die sich als wirksam erwiesen, um Beteiligung und Aufmerksamkeit anzuregen und zu fördern.
So löste beispielsweise bei einer Aktivität mit Google Earth der Blick auf die Erde aus 63.000 km Höhe Staunen und fantasievolles Nachdenken aus. Die Kinder stellten den Erwachsenen Fragen (z. B. „Wie habt ihr es geschafft, ein Foto von dem Planeten zu machen?“), formulierten Hypothesen (z. B. „Mit einer Rakete, an der ein Handy befestigt war“) und setzten sich kritisch mit bewusst provokant vorgeschlagenen Hypothesen der Erwachsenen auseinander, die sie auch widerlegten (z. B. „Wir haben eine Kamera an das Bein eines Vogels gebunden und ihn über die Atmosphäre hinausfliegen lassen“).
Darüber hinaus weckten die Bilder und simulierten Reiseerlebnisse mit Google Earth die Neugier und die Bereitschaft, die Besonderheiten verschiedener Orte auf der Erde zu erkunden. Diese Werkzeuge förderten auch die Eigeninitiative und den erzählerischen Ausdruck der Kinder.
In anderen Einheiten regte das Betrachten der von den Kindern aufgenommenen Fotos auf dem großen Bildschirm mehrere Diskussionen an.
Auch das Aufnehmen kurzer Videos oder Sprachnachrichten, um Beobachtungen zu dokumentieren und Ideen zu erläutern, erwies sich als wirksam, um die Beteiligung und das Engagement der Kinder zu stärken.
- Offene Impulse, die Kinder nicht nur auf kognitiver, sondern auch auf emotionaler, kreativer und körperlicher Ebene ansprachen, ermöglichten ihnen körperlich verankerte Erfahrungen.
Die Kinder konnten eine Kombination aus taktilem Erkunden, offenem Materialgebrauch und Bewegungsfreiheit erleben – in einer emotional sicheren Atmosphäre, die zum spontanen Erforschen ermutigte. Bemerkenswert ist, dass die Aufmerksamkeit in einigen Gruppen sehr rasch nachließ, wenn zu viel Zeit ausschließlich dem Dialog gewidmet wurde, ohne begleitende körperliche oder kreative Beteiligung.
- Pädagogische Fachkräfte sollten bedenken, dass der Dialog häufig ein Ergebnis des Prozesses und nicht dessen Ausgangspunkt darstellt. Unterschiedliche Ergebnisse wurden sowohl zwischen Gruppen mit und ohne Vorerfahrung mit dem Ansatz des Philosophierens mit Kindern (P4C) als auch zwischen Gruppen mit Kindern unterschiedlichen Alters beobachtet. Insbesondere:
- In den Gruppen, in denen P4C erstmals eingeführt wurde und in denen das gegenseitige Zuhören und die gemeinsame Wissensbildung noch nicht systematisch im täglichen Miteinander verankert waren, wandten sich die Kinder anfangs nur selten direkt aneinander. Sowohl die verbale als auch die nonverbale Kommunikation richtete sich überwiegend an die Gesprächsleitung, und spontane Wortbeiträge erfolgten häufig in einem raschen Austausch, bei dem mehrere Kinder gleichzeitig sprachen. Die Beiträge waren von Begeisterung, Unmittelbarkeit und emotionaler Beteiligung geprägt, zugleich aber auch von einem geringen Zusammenhang untereinander und einer begrenzten Einbeziehung der Beiträge anderer Kinder. Nur gelegentlich waren sie auf eine anhaltende gemeinsame Wissensbildung ausgerichtet. Die Beteiligung bestand häufig aus kurzen oder kaum reflektierten Antworten (z. B. „Ich weiß nicht“, „Ich habe es vergessen“ oder sich wiederholenden Antworten). Dadurch entstand ein gemeinsames Gespräch, das viele Beiträge enthielt, aber eine vergleichsweise geringe dialogische Tiefe aufwies. Infolgedessen wurden Ideen selten gemeinsam weiterentwickelt oder über längere Zeit verfolgt.
Die Einheiten blieben häufig auf den eigenen Ausdruck, die Bekräftigung des eigenen Standpunkts und die Verteidigung seiner Einzigartigkeit oder Richtigkeit konzentriert (z. B. „Das habe ich schon gesagt“, „Was du gesagt hast, stimmt nicht“). Häufig waren persönliche Erzählungen ohne Bezug zum ursprünglichen Impuls sowie Formen der Nachahmung oder Wiederholung von Antworten anderer Kinder zu beobachten. Insgesamt zeigten die Kinder großes Interesse an den Aktivitäten; ihre Beteiligung schien jedoch stärker von dem Wunsch getragen zu sein, als Einzelne „gesehen und gehört“ zu werden, als von einem gemeinsamen Engagement für den Dialog oder die Entwicklung der Gruppe.
Im Verlauf der Einheiten entwickelte sich die Beteiligung allmählich hin zu stärker beziehungsbezogenen, reflektierten und auf ursächliche Zusammenhänge ausgerichteten Formen. Während die Aufforderung, Hypothesen zu formulieren und zu begründen, zunächst eine kontinuierliche Begleitung durch die Gesprächsleitung erforderte, begannen die Kinder zunehmend, diese Vorgehensweisen spontaner anzuwenden. Ebenso wurden Prozesse gemeinsamer Wissensbildung immer deutlicher, darunter Versuche, unterschiedliche von anderen Kindern geäußerte Standpunkte einzubeziehen und zusammenzuführen.
Um diese Entwicklung zu unterstützen, mussten klare Regeln und strukturierte Rahmenbedingungen für die Interaktion eingeführt werden. Zwar können solche Strukturen mitunter die freie Äußerung einschränken – einen Aspekt, dem P4C hohen Wert beimisst –, zugleich schaffen sie jedoch die notwendigen Voraussetzungen für das wirksame Funktionieren des Workshops.
- In Gruppen mit vierjährigen Kindern wurden Schwierigkeiten und Widerstände beim Wechseln und Übernehmen von Perspektiven beobachtet. Fünfjährige Kinder beteiligten sich geordneter am Dialog als jüngere. Darüber hinaus legen die Beobachtungen der Interaktionen jüngerer Kinder einen Bedarf an einem angepassten Tempo und vielfältigeren Beteiligungsformen nahe, insbesondere für Kinder, die kinästhetisch lernen.
Zusammenfassend sind Zeit und Übung entscheidend. Zunächst müssen die Grundlagen des Prozesses geschaffen werden. Zugleich ist der sozial-kognitive Entwicklungsstand der Kinder sorgfältig zu berücksichtigen, und die Aktivitäten und Ziele sind entsprechend anzupassen.
Insgesamt spielte die emotionale Atmosphäre der Einheiten eine zentrale Rolle. Das Gefühl psychologischer Sicherheit und die Freude unterstützten die Bereitschaft, etwas zu wagen, Rückmeldungen offen aufzunehmen und sich anzupassen. Vertrauensvolle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern sowie eine wertungsfreie Atmosphäre ermöglichten es den Kindern, sich frei auszudrücken. Fragen, die zum Nachdenken anregten, halfen ihnen, sowohl konkrete als auch abstrakte Denkweisen zu erkunden.
- Behinderungen und sonderpädagogischer Förderbedarf müssen in P4C-Einheiten sorgfältig berücksichtigt werden. Diese Einheiten können verschiedenen Kindern eine inklusive, positive und anregende Erfahrung bieten:
- Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS; englisch ADHD). Sie zeigen häufig eine erhöhte sensorische und zwischenmenschliche Sensibilität sowie einen starken Wunsch, sich aktiv zu beteiligen. In diesen Fällen besteht die Aufgabe der erwachsenen Person darin, sicherzustellen, dass die Präsenz, die Stimme und die Beiträge des Kindes nicht unbeabsichtigt die Interaktion dominieren oder die Beteiligung anderer Gruppenmitglieder einschränken;
- Kindern mit einer Störung mit oppositionellem Trotzverhalten (ODD), die möglicherweise besonders vom dialogischen Charakter der P4C-Einheiten profitieren. In diesem Rahmen erkennt die erwachsene Person alle Beiträge an und berücksichtigt sie, auch solche, die in offen widersetzlicher Weise geäußert werden. Dieser Ansatz kann dazu beitragen, konfrontative Dynamiken zu entschärfen und dem Kind zu ermöglichen, sich allmählich in die Nachdenkgemeinschaft einzubringen. Auch eine auf Zuhören und Beobachten beschränkte Teilnahme sollte als bedeutsame Beteiligung angesehen werden, ohne dass zusätzlicher Druck oder Leistungserwartungen seitens der erwachsenen Person erforderlich sind.
In solchen Situationen ist es wesentlich, dass das Vorgehen der erwachsenen Person weiterhin mit den Zielen und Grundsätzen der P4C-Einheit übereinstimmt. Insbesondere sollte darauf geachtet werden, die Aktivität nicht mit spezifischen pädagogischen oder therapeutischen Zielsetzungen zu überlagern, um den dialogischen, beziehungsorientierten und nicht leistungsorientierten Charakter der Erfahrung zu bewahren. Bei P4C steht nicht in erster Linie das „Tun“ im Mittelpunkt, sondern das „Sein“ und die Förderung einer beziehungsorientierten Haltung unter den Teilnehmenden.
Gleichzeitig kann es für Erwachsene herausfordernd sein, davon abzusehen, Ziele aus individuellen Förderplänen in den P4C-Rahmen zu übertragen. Solche Erwartungen bergen möglicherweise das Risiko, die kooperativen und partizipativen Prozesse zu beeinträchtigen, die durch die Aktivität gefördert werden sollen.
Bestimmte Formen von Behinderung können jedoch erhebliche Einschränkungen für die von P4C geförderte Art der Interaktion mit sich bringen. Insbesondere Beeinträchtigungen, die den Beziehungsaufbau zu anderen und zur umgebenden Umwelt wesentlich erschweren oder die verbale und paraverbale Kommunikation – und damit die Möglichkeit, den eigenen Standpunkt auszudrücken und zu begründen – stark einschränken, können die Inklusivität und Wirksamkeit des Ansatzes verringern. In einigen Fällen (z. B. bei bestimmten Ausprägungen einer Autismus-Spektrum-Störung) kann sich P4C daher als weniger wirksam erweisen, um die aktive Beteiligung innerhalb der Nachdenkgemeinschaft zu fördern.
- Wenn während der Einheiten neben der Gesprächsleitung weitere Erwachsene anwesend sind (z. B. um die organisatorischen Abläufe der Aktivität zu unterstützen, bei der Emotionsregulation zu helfen oder Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu begleiten), müssen sie nicht zwangsläufig in einer untergeordneten Rolle bleiben. Ihre direkte Beteiligung am Fragenstellen, an Klärungen und an Prozessen der Wissensbildung kann sowohl wertvoll sein als auch den Grundsätzen der Nachdenkgemeinschaft entsprechen. Ihre Beteiligung sollte jedoch mit dem Vorgehen und den Zielen der Gesprächsleitung übereinstimmen, nicht lenkend sein und die Beiträge der Kinder weder in den Hintergrund drängen noch übergehen.
B
Im Hinblick auf das Umweltbewusstsein:
Es zeigt sich ein dialektisches Spannungsverhältnis zwischen einer der grundlegenden Säulen des heuristisch-didaktischen P4C-Ansatzes und der Notwendigkeit, Kindern naturwissenschaftliches Grundwissen zu vermitteln, das ihnen Orientierung gibt und die Entwicklung selbstständigen und kritischen Denkens ermöglicht. Der P4C-Ansatz schätzt und fördert eine gemeinsame Wissensbildung von unten nach oben, die auf unmittelbarer Erfahrung und deren anschließender Ausarbeitung, Überprüfung und „Validierung“ durch die Mitglieder der Nachdenkgemeinschaft beruht. In formalen Bildungskontexten und auf dieser Entwicklungsstufe muss solches Wissen häufig durch Formen der Unterweisung eingeführt werden, die zumindest teilweise auf direkter Wissensvermittlung beruhen. Wenn Kindern beispielsweise das Verständnis für die möglichen ökologischen Folgen des Aussterbens einer bestimmten Tierart fehlt, fällt es ihnen schwer, Überlegungen zu entwickeln, die über das bloße Wiederholen einer vorgegebenen Norm („Alle Tiere müssen geschützt werden“) oder eine oberflächliche, an der eigenen Bequemlichkeit orientierte Betrachtung („Ich würde alle Mücken beseitigen, weil sie mich stören und zu nichts gut sind“) hinausgehen.
Aus diesem Grund sollten diese Projekte in gewissem Umfang auch die Vermittlung von Grundwissen beinhalten – insbesondere dort, wo solches Wissen realistischerweise nicht allein durch die erneute Auseinandersetzung mit unmittelbaren Erfahrungen entstehen kann. In diesem Sinne sollte die Vermittlung naturwissenschaftlicher Grundlagen nicht als Widerspruch zu den Zielen von P4C verstanden werden, sondern als notwendige Voraussetzung für die Entwicklung eines tatsächlich selbstständigen und kritischen Denkens, das übernommene Annahmen und Vorgaben hinterfragen kann.
C
Im Hinblick auf digitale Technologien schränkt das begrenzte Bewusstsein der Kinder dafür, was ein digitales Gerät ausmacht, mitunter die Möglichkeit ein, sie zu einer kritischen Reflexion über dessen Nutzung anzuregen. Tablets und Smartphones werden häufig ähnlich wie andere Spielmöglichkeiten wahrgenommen, ohne dass die mit diesen Geräten verbundenen spezifischen Risiken überhaupt wahrgenommen werden, geschweige denn ein Bewusstsein dafür besteht.
Zentrale Elemente und bewährte Praktiken
In den beteiligten Ländern wurden die folgenden wertvollen Praktiken ermittelt.
A
Im Hinblick auf kooperative und partizipative Ansätze:
- Staunen, Neugier und emotionale Beteiligung fördern. Ein positives emotionales und soziales Umfeld – geprägt von Begeisterung, Humor, Neugier und der Bereitschaft zur Teilnahme – erwies sich als entscheidend für die Qualität der Interaktion in der Gruppe. Technologien wirkten häufig als Impulsgeber für Fragen und Diskussionen und regten Assoziationen, Hypothesen und Dialoge an. Ihr Einsatz erschien besonders bedeutsam, wenn Kinder sich selbst in technologisch vermittelten Darstellungen wiederbegegneten. Das Betrachten selbst angefertigter Fotografien, Aufnahmen oder projizierter Bilder vertrauter Orte löste häufig sichtbare Freude, Stolz und lebhafte Diskussionen aus. Ebenso erwiesen sich Erzählungen als wirksam, um einen gemeinsamen symbolischen Raum für die Beteiligung zu schaffen. So weckte beispielsweise die Geschichte von Robinson Crusoe großes Interesse, emotionale Anteilnahme und das Gefühl, gemeinsam in die Geschichte einzutauchen. Auch die Begeisterung, die sowohl die Gesprächsleitung als auch die pädagogischen Fachkräfte beim Hören eines philosophischen Gedankens oder einer Begründung der Kinder zeigten, trug wesentlich zu einer positiven Atmosphäre in der Gruppe bei.
- Eine einführende Einheit planen, um über die Bedeutung von Zusammenarbeit und gegenseitigem Zuhören nachzudenken. Dies kann besonders in Gruppen hilfreich sein, die mit kooperativen und partizipativen Praktiken wenig vertraut sind.
- Verbindungen zwischen den Einheiten ausdrücklich verdeutlichen. Dies kann Erinnerungsprozesse und die gemeinsame Entwicklung von Bedeutung unterstützen. In Italien gestaltete beispielsweise jede Gruppe ein Plakat in Form einer Raupe mit zehn Abschnitten, die den zehn Einheiten entsprachen. Am Ende jedes Treffens wählten die Kinder ein Bild aus, das die Erfahrung der jeweiligen Einheit repräsentierte. Dieses Bild wurde ausgedruckt, ausgeschnitten und zu Beginn des folgenden Treffens auf dem Plakat ergänzt. So entstanden Gelegenheiten, gemeinsam über frühere Erfahrungen nachzudenken. Ähnlich wurden in Polen in mehreren Einheiten Dokumentationen aus früheren Treffen aufgegriffen, sodass die Kinder auf vorangegangene Beobachtungen zurückkommen und ihre gemeinsamen Überlegungen im Laufe der Zeit weiterentwickeln konnten. In Portugal entstanden Kontinuität zwischen den Einheiten und ein schlüssiger roter Faden durch alle zehn Einheiten dank einer ersten Einheit mit philosophischem Schwerpunkt, die auf einem Buch beruhte, das den Kern des EACH-Projekts verkörperte.
- Die Erfahrung ritualisieren. Die Ritualisierung des Rahmens für das Philosophieren mit Kindern (P4C) kann dazu beitragen, die Erfahrung wiedererkennbar und vorhersehbar zu machen und dadurch Orientierung und Beteiligung zu unterstützen. Rituelle Elemente – etwa sich zu Beginn jeder Einheit als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verkleiden oder Nachrichten von „Atlante“ vorzulesen – strukturierten nicht nur die Aktivität, sondern förderten auch ein Gefühl der Verbundenheit, Freude und den Zusammenhalt der Gruppe.
- Körperliche und sinnliche Beteiligung sowie die Auseinandersetzung mit Materialien fördern. Beteiligung und Zusammenarbeit nahmen zu, wenn Aktivitäten Kinder nicht nur sprachlich, sondern auch körperlich, sinnlich und emotional einbezogen. Das Sammeln von Naturmaterialien, das Hantieren mit Gegenständen, die Bewegung im Raum oder die Verwendung von Schnüren und Garn zur Darstellung von Beziehungen ermöglichten den Kindern eine Beteiligung mit dem ganzen Körper. Sinnesbezogene Impulse (z. B. „Welche Temperatur spürt ihr an diesem Ort?“ oder „Welche Geräusche und Gerüche könnt ihr wahrnehmen?“) sowie Fragen mit emotionalem Schwerpunkt (z. B. „Welche Gefühle weckt dieses Bild?“) unterstützten vielfältigere Formen der Beteiligung. Eine solche multimodale Beteiligung erwies sich häufig als inklusiver, insbesondere für Kinder, die sich sprachlich weniger aktiv einbrachten. Auch unmittelbare sinnliche Begegnungen mit der Natur und deren Beobachtung – beispielsweise das Beobachten von Schmetterlingen oder die Auseinandersetzung mit Naturphänomenen – schienen wirksam zu sein, um die Aufmerksamkeit zu bündeln und das Interesse aufrechtzuerhalten.
- Zeichnen als Werkzeug des Denkens nutzen. Zeichnen erwies sich als wertvolle kognitive Ressource und Ausdrucksmöglichkeit, die es Kindern – auch Kindern mit Behinderungen oder sonderpädagogischem Förderbedarf – ermöglichte, Ideen mitzuteilen, die sich möglicherweise nur schwer in Worte fassen ließen. Besonders bedeutsam wurde das Zeichnen auch in Momenten, in denen das sprachliche Begründen an seine Grenzen stieß und sich weitere Begründungen nicht ohne Weiteres formulieren ließen. In einigen Fällen gehörte es zu den deutlichsten Anzeichen für ein sich entwickelndes Bewusstsein oder begriffliches Verständnis.
- Kurze und abwechslungsreiche Teilaktivitäten abwechseln. Bei Gruppen mit einem ausgeprägten Bedürfnis nach Bewegung und sinnlicher Anregung (oder bei denen zunehmende begriffliche Komplexität zu sinkender Beteiligung führte) erwies sich der Wechsel zwischen kurzen Teilaktivitäten von jeweils etwa 8–10 Minuten als wirksam, um Aufmerksamkeit und Beteiligung zu unterstützen. Aktivitäten mit kurzen, praktischen Aufgaben halfen dabei, auf schwankende Konzentration zu reagieren. Am wirksamsten waren diese Aufgaben, wenn sie Zusammenarbeit, Aushandlung und gemeinsame Entscheidungen im Hinblick auf geteilte Ziele erforderten. In solchen Situationen wurden die Kinder dazu angeregt, anderen zuzuhören, Alternativen abzuwägen und Ergebnisse zu akzeptieren, die nicht immer ihren eigenen Vorlieben entsprachen. Erfahrungsbezogene Aktivitäten, die auf Handeln, Beobachten und Nachdenken beruhten, erwiesen sich als besonders ansprechend. Wenn hingegen die Interessen oder Ziele der Erwachsenen die Aktivitäten bestimmten und diese auch von ihnen angeleitet wurden, zerfiel die gemeinsame Aktivität zunehmend: Die Kinder lagen schließlich auf dem Boden, unterhielten sich untereinander oder wandten sich vollständig von der Aufgabe ab.
- Divergente Fragen einsetzen. Der Einsatz divergenter, zum Nachdenken anregender Fragen – die mehrere Antworten, Perspektiven und mögliche Lösungen zulassen – schien besonders wirksam, um Kreativität, laterales Denken und kritische Reflexion anzuregen. Anders als konvergente Fragen, die eine einzige richtige Antwort voraussetzen, ermutigen divergente Fragen Kinder dazu, Annahmen zu hinterfragen und scheinbar selbstverständliche Tatsachen neu zu betrachten. Beispiele sind Fragen wie „Wie können wir sicher sein, dass Wasser in der Gießkanne ist?“ oder Überlegungen zu normativen pädagogischen Botschaften: Wenn Erwachsene sagen, dass „Tiere respektiert und gut behandelt werden sollten“, können wir uns fragen, ob „wir alle Tiere respektieren und schützen wollen, auch diejenigen, die gefährlich sind und/oder die wir überhaupt nicht mögen, wie Mücken, Fliegen und Schlangen“. Durch diese Form des Fragens schienen die Kinder allmählich eher bereit, selbstverständliche Annahmen infrage zu stellen und die Welt um sich herum kritisch zu betrachten.
- Die Dauer der Einheiten an die Vertrautheit der Gruppe mit dem Philosophieren mit Kindern (P4C) anpassen. Wenn die Gruppen mit P4C vertraut sind, können die Einheiten bis zu 1–1,5 Stunden dauern. Ist dies noch nicht der Fall, kann eine Einheit höchstens 50 Minuten dauern.
B
Im Hinblick auf das Umweltbewusstsein:
- Perspektivübernahme durch multimodale Darstellungen entwickeln. Der Einsatz von Werkzeugen wie Kameras sowie die Begegnung mit unterschiedlichen Wissensquellen und Darstellungsformen – einschließlich unmittelbarer Naturbeobachtungen und Videoaufnahmen – unterstützten die Kinder dabei, über Darstellung, Größenverhältnisse und Perspektive nachzudenken. Insbesondere Impulse, die Kinder erkennen lassen, dass ihre eigene Sichtweise nicht die einzig mögliche ist und dass es mehrere Perspektiven gibt, tragen zur Stärkung des Umweltbewusstseins bei. Das Verständnis dafür, dass das aus einem einzelnen Blickwinkel Wahrgenommene nicht die gesamte Wirklichkeit ausmacht und stets in einen größeren Zusammenhang eingebettet ist, hilft Kindern, ihre Deutungen der Welt zu relativieren und neu einzuordnen. In diesem Zusammenhang ermöglichten Werkzeuge wie Google Earth den Kindern auch, den Planeten aus anderen räumlichen Perspektiven zu betrachten. Dies förderte das Bewusstsein dafür, dass er – trotz seiner Vielfalt – eine einzige, gemeinsam geteilte Umwelt bildet. Google Earth unterstützte außerdem Gespräche über die Lebensbedingungen von Menschen und Tieren in unterschiedlichen Umgebungen. Dabei ist zu beachten, dass Perspektivwechsel umfassende unterstützende Begleitung erfordern.
- Ein körperlich erfahrbares ökologisches Bewusstsein fördern. Mehrere Aktivitäten förderten ein Verständnis wechselseitiger Abhängigkeiten in der Umwelt, das nicht nur begrifflich, sondern auch körperlich und durch eigenes Erleben verankert war. Bei der Aktivität „Netz des Lebens“ wurden die Kinder beispielsweise eingeladen, Verbindungen zwischen verschiedenen Elementen der Umwelt herzustellen (z. B. Gras–Kuh, Wolke–Regen). Dadurch wurde die Vorstellung eingeführt, dass Umweltwissen über das Erkennen einzelner Bestandteile hinausgeht und das Verständnis wechselseitiger Beziehungen einschließt. Auf diese Weise wurden ökologische Zusammenhänge nicht nur beschrieben, sondern auch körperlich dargestellt, ausgehandelt und erlebt.
- Emotionale Beteiligung in den Mittelpunkt stellen und betonen. Emotionale Anteilnahme spielt eine zentrale Rolle dabei, ein gemeinsames Empfinden für die Relevanz und Bedeutung von Umweltthemen zu fördern. Insbesondere die Verknüpfung von Umweltthemen mit persönlichen, vertrauten und emotionalen Erfahrungen der Kinder ist entscheidend, um ihre Beteiligung und die Entwicklung von Bedeutung zu unterstützen.
- Der Frage nachgehen, warum es Menschen schwerfallen kann, im Einklang mit Grundsätzen eines respektvollen und fürsorglichen Umgangs mit der Umwelt zu handeln, obwohl sie wissen, welche Handlungsweise am angemessensten wäre. Um ein kritisches Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit und Verantwortung zu fördern, kann es auch wertvoll sein, das Wissen, die Praktiken und die Verhaltensweisen zu erkunden, die sich Kinder unter Anleitung Erwachsener bereits angeeignet haben. Daran anschließend lässt sich die Reflexion darüber unterstützen, warum es im Alltag oft schwierig ist, Verhaltensweisen umzusetzen, die als angemessen und wünschenswert gelten.
C
Im Hinblick auf digitale Technologien:
- Multisensorische Beteiligung durch digitale Medien unterstützen. Digitale Werkzeuge ermöglichten Kindern Erfahrungen mit mehreren Sinnen, bei denen visuelle Eindrücke häufig von körperlichen und emotionalen Reaktionen begleitet wurden (z. B. „Brrr, das fühlt sich kalt an“, „Es ist richtig heiß“). Dies deutet auf eine integrierte sinnliche Deutung digitaler Reize hin. Diese Form der Beteiligung schien besonders inklusiv zu sein und bezog auch Kinder mit schweren kognitiven Beeinträchtigungen ein.
- Digitale und analoge Erfahrungen verbinden, um kritische Reflexion zu unterstützen. Aus dem ergänzenden und sich gegenseitig bereichernden Verhältnis zwischen digitalen und analogen Erfahrungen entwickelte sich ein produktiver Ansatz. Systematische Vergleiche unterschiedlicher Darstellungsformen – etwa digitaler Karten und physischer Globen, Fotografien und Zeichnungen, Lupen und digitaler Zoomfunktionen – unterstützten die Kinder dabei, ein kritisches Bewusstsein für Darstellung, Perspektive und Größenverhältnisse zu entwickeln. Diese Aktivitäten regten dazu an, darüber nachzudenken, wie verschiedene Medien dieselbe Wirklichkeit auf unterschiedliche Weise konstruieren und vermitteln. So ermöglichten die Projektion und die gemeinsame Besprechung von Fotografien den Kindern, über die Bildinhalte selbst hinauszugehen und darüber nachzudenken, wie Wirklichkeit visuell dargestellt wird. In einem Beispiel zeichnete ein Kind einen Gegenstand aus dem Gruppenraum, während ein anderes ihn fotografierte. Anschließend verglich die Gruppe die beiden Darstellungen und besprach Unterschiede in der Detailgenauigkeit und Wahrnehmung. Ebenso dachten die Kinder darüber nach, ob zwei Menschen identische Fotografien aufnehmen können, und erkannten dabei die Bedeutung von Einflussgrößen wie Entfernung, Winkel, Zoom und Bildausschnitt. In diesen Momenten wurden die Bilder durch die Projektion zu gemeinsamen Bezugspunkten des forschenden Nachdenkens.
Auch die Umwandlung der Zeichnungen und Collagen der Kinder in digitales Material war für alle Beteiligten eine überraschende und interessante Erfahrung.
Insgesamt standen digitale Technologien nicht im Mittelpunkt der Aktivität, sondern bildeten einen Bestandteil eines umfassenderen Prozesses sinnlicher Erkundung, des Dialogs, des kreativen Ausdrucks und der gemeinsamen Reflexion.
- Selbstwirksamkeit und das Gefühl der Urheberschaft durch die Erstellung digitaler Inhalte stärken. Die Beschäftigung mit digitalen Werkzeugen unterstützte auch das Erleben von Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit der Kinder. Selbstständiges Fotografieren löste starke Gefühle der Zufriedenheit und des Erfolgs aus (z. B. „Das habe ich fotografiert!“, „Ich habe es ganz allein geschafft!“). Die Möglichkeit, digitale Geräte ohne ständige Eingriffe von Erwachsenen zu nutzen, war für alle Teilnehmenden bedeutsam. Das erneute Betrachten ihrer eigenen Fotografien stärkte sowohl das Gefühl der Urheberschaft als auch das Bewusstsein für ihre kreativen Fähigkeiten und ihre Beobachtungsgabe.
- Eine zielgerichtete und erkundende Nutzung digitaler Werkzeuge fördern. Digitale Geräte erwiesen sich als besonders wirksam, wenn sie ausdrücklich als Werkzeuge zum Erkunden und Forschen eingeführt wurden und nicht als Mittel zur Unterhaltung. Insbesondere die Digitalisierung von Bildern, Klängen und Informationen eröffnete den Zugang zu Phänomenen, die sonst weit entfernt oder unzugänglich wären, etwa die Beobachtung von Tieren in geografisch weit entfernten Lebensräumen. Dadurch erweiterten sich die Möglichkeiten des Entdeckens und Lernens.
In allen drei Projektbereichen erwies es sich als entscheidend, die folgenden Bedingungen sicherzustellen – insbesondere dann, wenn das Projekt von externen Fachkräften durchgeführt wird:
- Ein kontinuierlicher Dialog mit den pädagogischen Fachkräften. Der laufende Austausch mit den pädagogischen Fachkräften der Einrichtung sollte in der Anfangsphase, während der Durchführung und zum Abschluss des Projekts aufrechterhalten werden. Dieser Austausch ermöglicht es, Werte, Zielsetzungen, konkrete Ziele und Beobachtungsschwerpunkte miteinander zu teilen. Er unterstützt die regelmäßige Reflexion der laufenden Erfahrungen und erleichtert das Einholen von Rückmeldungen zur kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung.
- Der Dialog mit den Familien. Sowohl zu Beginn als auch am Ende des Projekts sollte ein Austausch mit den Familien stattfinden. So können die Zielsetzungen, konkreten Ziele und Ergebnisse des Projekts vermittelt und Rückmeldungen der Eltern eingeholt werden. Dies trägt zu einem umfassenderen und partizipativen Evaluationsprozess bei.
Darüber hinaus wird die kontinuierliche Nutzung des Selbsteinschätzungsinstruments während des gesamten Schuljahres und der gesamten Projektlaufzeit ausdrücklich empfohlen, um die Reflexion zu unterstützen, Schwächen und Anfälligkeiten in der Praxis zu erkennen und fortlaufende Verbesserungen zu fördern.
Kritische Aspekte und zu berücksichtigende Faktoren
- Formen der Beteiligung jenseits sprachlicher Beiträge. In P4C-Einheiten sollte Beteiligung nicht ausschließlich mit sprachlichem Ausdruck gleichgesetzt werden. Sie umfasst ein Spektrum unterschiedlicher Positionen – darunter aktive Mitwirkung, Beobachtung und Formen des Widerstands –, die jeweils auf unterschiedliche Weise zum gemeinsamen Prozess beitragen.
- Wertschätzung aller Beiträge. Der Beitrag jedes Kindes sollte anerkannt und berücksichtigt werden. Empfohlen werden Strategien der Gesprächsleitung wie das Wiedergeben von Aussagen in eigenen Worten, das Weiterführen von Gedanken, die Würdigung von Beiträgen und die unterstützende Begleitung von Reflexionsprozessen. Eine direkte Korrektur oder Kategorisierung der Ideen der Kinder sollte vermieden werden.
- Haltung der Gesprächsleitung und ausgewogene Anleitung. Die Gesprächsleitung sollte vermeiden, übermäßig lenkend, kontrollierend oder eingreifend zu handeln. Eine stark auf die pädagogische Fachkraft ausgerichtete Interaktionsstruktur kann zwar mitunter die Beteiligung fördern, jedoch die Möglichkeiten einer echten gemeinsamen Sinnbildung einschränken und die Entwicklung gemeinsamen Nachdenkens mindern.
- Abstimmung von Aufgabengestaltung und Entwicklungsstand. Mögliche Diskrepanzen zwischen den Anforderungen einer Aufgabe und den kognitiven Fähigkeiten sowie den Darstellungsfähigkeiten der Kinder sollten beachtet werden, insbesondere bei Aktivitäten, die Abstraktion oder Perspektivübernahme erfordern. Als die Kinder beispielsweise gebeten wurden, den Kindergarten aus der Vogelperspektive zu zeichnen, äußerten viele Unverständnis oder Frustration (z. B. „Ich verstehe das nicht“, „Ich weiß nicht, wie das geht“). Solche Reaktionen deuten darauf hin, dass die Aufgabe ihre derzeitigen Darstellungsfähigkeiten überstieg, was dazu führte, dass sie sich weniger beteiligten oder auf vertrautere Strategien zurückgriffen (z. B. Zeichnungen aus der Seitenansicht). In diesen Fällen verlagerte sich die Beteiligung vom gemeinsamen Erkunden hin zu individuellen Schwierigkeiten oder zum Rückzug, wodurch die gemeinschaftliche Dimension der Aktivität geschwächt wurde. Um diesem Problem zu begegnen, zeigte beispielsweise das portugiesische Team den Kindern den Schulhof mithilfe von Google Earth aus der Luft und erklärte ihnen, dass es sich dabei um den tatsächlichen Schulhof von oben handelte. Anschließend wurden die Kinder eingeladen, den Schulhof nach ihren eigenen Vorstellungen zu zeichnen. Diese Übung erwies sich als besonders ergiebig und aufschlussreich für die Förderung des Dialogs.
- Bedeutung der räumlichen Rahmenbedingungen. Die räumliche Umgebung, in der die Einheiten stattfinden (insbesondere in Innenräumen), spielt eine bedeutende Rolle. In einigen Fällen beeinträchtigten äußere akustische Reize (z. B. Schulglocken) und häufig vorbeigehende Personen die Kontinuität, insbesondere wenn der Raum als Durchgangsbereich diente. In anderen Fällen erforderte das Vorhandensein von Materialien und Einrichtungsgegenständen, die im Alltag gewöhnlich nicht zugänglich waren (z. B. Bücher, Spielmaterialien mit vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten, Stressbälle, Sofas, Spiegel), zunächst eine Eingewöhnungsphase. Diese Faktoren führten mitunter dazu, dass zu Beginn der Einheiten mehr Zeit benötigt wurde, um eine geeignete Körperhaltung, räumliche Anordnung und Konzentration zu erreichen. Insgesamt verdeutlichen diese Beobachtungen die Bedeutung einer klar definierten, beständigen und wiedererkennbaren räumlichen Umgebung, die auf die Ziele des Dialogs, des Zuhörens und des gemeinsamen Nachdenkens abgestimmt ist.
- Angemessene Zeitplanung. Unabhängig von den vorgesehenen zeitlichen Vorgaben sollten Einheiten nicht unterbrochen, verkürzt oder in eine andere Richtung gelenkt werden, bevor die Kinder Gelegenheit hatten, sich vollständig auf ihre Arbeit einzulassen oder sie abzuschließen. Eine angemessene Zeitplanung ist daher wesentlich, um die Beteiligung aufrechtzuerhalten.
- Vermeidung einer impliziten Auferlegung moralischer Vorstellungen bei Umweltthemen. Erwachsene können (oft implizit) starke persönliche Überzeugungen zur ökologischen Nachhaltigkeit auf Kinder übertragen. In Verbindung mit dem Entwicklungsstand von 3–6-jährigen Kindern – deren moralisches Verständnis stark von Erwachsenen abhängt („Richtig oder falsch ist, was die erwachsene Person als solches festlegt; sie bestimmt auch die Folgen des Verhaltens“) – kann dies zu sich wiederholenden, nicht weiter ausgeführten Antworten führen. Solche Antworten geben häufig übernommene Regeln wieder (z. B. „Dreh den Wasserhahn zu“, „Verschwende kein Wasser“, „Recycle“), ohne dass ein tieferes Verständnis der zugrunde liegenden Gründe besteht. In diesen Fällen wird es schwieriger, den authentischen Ausdruck der Ideen der Kinder zu fördern. Eine wirksamere Auseinandersetzung mit Umweltthemen entsteht, wenn Kinder diese mit ihrer persönlichen, emotionalen und sinnlichen Erfahrungswelt verbinden können, statt mit abstrakten moralischen Vorgaben. Praktische und körperbezogene Erfahrungen (z. B. Baumrinde berühren, Vögeln zuhören, Samen sammeln oder eine emotionale Beziehung zu Naturmaterialien und Naturräumen aufbauen) erwiesen sich als besonders wirksam bei der Förderung des Umweltbewusstseins.
Es ist daher ratsam, Umweltbildung nicht vorrangig moralisch oder durch Begründungen aus der Sicht von Erwachsenen zu rahmen, sondern sie auf die persönlichen Lebenserfahrungen, die Neugier und die sozial-emotionale Beteiligung der Kinder zu gründen (z. B. indem Fragen wie „Was sollten wir tun, um der Umwelt zu helfen?“ durch stärker erkundende Impulse wie „Interessiert es mich, mich um die Natur zu kümmern? Wenn ja, warum und wie?“ ersetzt werden).
Allgemeiner sollten die Erwartungen an das Umweltbewusstsein in Bezug auf das Alter und die kognitive und moralische Entwicklung der Kinder neu bestimmt werden. Dabei sollte nicht davon ausgegangen werden, dass 4–5-jährige Kinder zwangsläufig einen abstrakten Wortschatz oder ein Verständnis der kausalen Zusammenhänge komplexer Themen wie Umweltverschmutzung oder Klimawandel entwickeln.
- Hinterfragen anthropozentrischer Perspektiven. Eine ausgeprägt anthropozentrische Perspektive – in der Menschen implizit als Höhepunkt der Evolution und als vorrangiger Bezugspunkt für Intelligenz gelten – wurde häufig beobachtet und lässt sich in diesem Alter möglicherweise nur schwer auflösen. Es ist daher wichtig, Gelegenheiten zur Reflexion über die Vorstellung zu schaffen, dass Menschen weder der universelle Maßstab noch das letztgültige Maß aller Dinge sind. Beispiele aus extremen Lebensräumen wie Wüsten können diesen Perspektivwechsel unterstützen: Viele Arten überleben nicht, weil sie „stärker“ sind, sondern weil sie an Ressourcenknappheit angepasst sind (z. B. durch verkleinerte Blätter, tiefe oder horizontal verlaufende Wurzelsysteme, langsames Wachstum). Ebenso regulieren Tiere wie Kamele ihre inneren Körperbedingungen, um in extremen Lebensräumen zu überleben, und tolerieren dabei einen Grad der Austrocknung, der für Menschen tödlich wäre.
- Einbindung in die umfassendere pädagogische Alltagspraxis. Eine begrenzte Einbindung des Projekts und der damit verbundenen Reflexionen in die umfassendere pädagogische Alltagspraxis der Einrichtung kann die Gesamtwirkung der Erfahrung schwächen. Daher ist es wesentlich, dass alle beteiligten pädagogischen Fachkräfte die übergeordneten Ziele, die konkreten Zielsetzungen und die Vorgehensweisen miteinander teilen.
- Rolle und Grenzen digitaler Technologien. Die Beobachtungen legen nahe, dass digitale Technologien besonders wirksam waren, um Beteiligung und gemeinsame Aufmerksamkeit zu erzeugen, während ihre Fähigkeit, eine vertiefte kritische Reflexion aufrechtzuerhalten, weniger beständig war. Ihr pädagogischer Wert lag häufig eher darin, das Nachdenken anzuregen, als anhaltende analytische Prozesse zu unterstützen. Generell sollten auch die Erwartungen an digitale Kompetenzen und digitale Grundbildung am Entwicklungsstand der Kinder ausgerichtet werden. Beispielsweise ist es unrealistisch, von 4–5-jährigen Kindern zu erwarten, dass sie verstehen, wie Smartphones oder Digitalkameras funktionieren, und/oder deren Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen erkunden.
- Thematische Schwerpunktsetzung innerhalb der Einheiten. Die Konzentration auf einen der drei zentralen Projektschwerpunkte (Klimawandel und Umweltbewusstsein, digitale Bildung, gemeinsames kritisches Denken) pro Einheit kann klarere und besser zu bewältigende Zielsetzungen unterstützen und kognitive Überlastung vermeiden. Die Themen sollten dennoch abwechselnd behandelt werden, um Kontinuität und Verbindungen zwischen den Einheiten zu gewährleisten.
- Vertiefung statt einer Vielzahl von Aktivitäten. Wenn einzelnen Impulsen nicht genügend Zeit gewidmet wurde, schränkte dies mitunter die Prozesse der Sinnbildung ein. Mehr Zeit für jedes Thema stärkt die Fähigkeit der Kinder, Bedeutung zuzuschreiben, und erhöht die wahrgenommene Relevanz. Daher werden weniger, dafür aber vertiefende Aktivitäten empfohlen.
- Neubestimmung von Lernumgebungen im Freien. In einigen Einrichtungen erlebten die Kinder den Garten vor allem als Raum für freies Spiel und weniger als Lernumgebung. Dies erschwerte es, ihn kurzfristig als Lernraum im Freien neu zu bestimmen, und führte während der ersten Einheiten im Freien zu geringerer Aufmerksamkeit und Konzentration. Aus diesem Grund wurden die Aktivitäten nach den ersten Einheiten in einen nahe gelegenen öffentlichen Park verlegt, der für die Kinder eine andere Bedeutung und Funktion erhalten konnte. Auch im Kontext von Waldschulen zeigte sich ein Bedarf an wirksameren Strategien, um die auf das Nachdenken gerichtete Aufmerksamkeit im Freien aufrechtzuerhalten, insbesondere bei längeren Gruppengesprächen.